FAQ: Tollwut
3.1 Fchse und Wildtierkrankheiten
3.1.1 Was ist die Tollwut?
Tollwtiger Hund mit Speichelfluss
(Bild: Public Health Image Library)
Die Tollwut ist eine ansteckende, ohne sofortige Behandlung tdlich verlaufende Viruskrankheit, die durch Speichel oder Blut (in der Regel den Bi eines infizierten Tieres) bertragen wird. Als Symptome werden beim Menschen Bewusstseinsstrungen, Lhmungen, Atemkrmpfe, Wasserscheu, oft Wutanflle beschrieben. Die Inkubationszeit betrgt 20 bis 60 Tage. Heute gibt es wirksame Impfungen gegen die Tollwut, und innerhalb eines Tages nach dem Biss eines tollwtigen Tieres ist auch eine sogenannte postexpositionelle Impfung noch mglich, die das berleben sichert. Dadurch hat die Tollwut zumindest in Europa ihren Schrecken weitestgehend verloren.
Fchse spielten im Infektionsgeschehen der europischen Nachkriegszeit eine zentrale Rolle. Sie sind nmlich wie andere Hundeartige auch fr das Tollwutvirus besonders anfllig und knnen bereits an einem Zehntausendstel der Virendosis erkranken, die ntig ist, um einen Menschen zu infizieren. So kam es, dass die Tollwut bald ungezgelt in der Fuchspopulation grassierte. Punktuell bertrugen erkrankte Fchse sie durch Bisse auf Haustiere, und diese gaben das Virus dann vereinzelt an Menschen weiter. Allerdings gab es in Deutschland zwischen 1947 und 1981 gerade einmal neun Infektionsflle bei Menschen.
Heutzutage ist Mitteleuropa vollstndig frei von der sogenannten terrestrischen Tollwut, jener Tollwutform, die beim Fuchs und anderen Beutegreifern auftreten kann. Lediglich die Fledermaustollwut, die jedoch von einem anderen Virustyp verursacht wird als die terrestrische Tollwut und mit ihr epidemiologisch nicht in Verbindung steht, kommt bei uns noch immer vor.
3.1.2 Wie gro ist die Gefahr, an Tollwut zu erkranken?
Heutzutage ist die terrestrische Tollwut in Mitteleuropa ausgerottet. Die Internationale Gesellschaft fr Tiergesundheit (OIF) erklrte Finnland und die Niederlande bereits 1991 fr tollwutfrei; 1997 folgte Italien, 1998 die Schweiz, 2000 Frankreich, und im Jahr 2008 schlielich Deutschland und sterreich. Insofern besteht bei uns heutzutage berhaupt kein Erkrankungsrisiko mehr.
Selbst in den 1980er Jahren, als die Tollwut in Deutschland noch groflchig grassierte, wurde die Wahrscheinlichkeit fr einen Menschen, an Tollwut zu erkranken, mit eins zu 171.875.000 beziffert - das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, war zwanzigmal hher.
3.1.3 Welche Rolle spielt die Tollwut heute?
Die Tollwut ist in Mittel- und Westeuropa heute bedeutungslos. Umso unverstndlicher ist, dass sie bisweilen noch immer zur Begrndung fr die Jagd auf Fchse angefhrt wird. Auch die in den 1980er- und 1990er-Jahren allgegenwrtigen Schilder "Tollwut - gefhrdeter Bezirk" sind noch immer nicht von allen Ortseingngen verschwunden.
3.1.4 Woran erkennt man ein an Tollwut erkranktes Tier?
Tollwutkranke Wildtiere zeigen oft keinerlei Scheu mehr vor dem Menschen. In spteren Stadien der Krankheit zeigen befallene Tiere oft starke Wahrnehmungstrbungen und bisweilen Anzeichen von Apathie und zunehmender Schwchung, die bei Annherung von Menschen oder anderen Tieren jedoch durch kurze aggressive Ausbrche unterbrochen werden kann. Zudem geht die Tollwut - wie andere Wildkrankheiten auch - mit einem deutlich angegriffenen, ausgemergelten Aussehen des betroffenen Tieres, stumpfem, struppigem und ausgednntem Fell einher.
Da die Tollwut bei uns ausgerottet ist, knnen Sie allerdings mit Sicherheit davon ausgehen, dass Sie bei uns keinem tollwtigen Wildtier begegnen werden. Wenn ein Fuchs zutraulich ist, hat das brigens nur uerst selten etwas mit einer Erkrankung zu tun. Insbesondere in stdtischen oder stadtnahen Regionen leben Fchse oftmals in so unmittelbarer Nhe zu Menschen, dass sich ihre Scheu nach und nach verringert. Werden sie dann noch von wohlmeinenden Brgern gefttert, knnen die betreffenden Fchse - je nach individueller Disposition - durchaus regelrecht frech werden und lassen sich bisweilen auch durch lautes Rufen nicht sofort vertreiben.
3.1.5 Wie wurde die Tollwut bekmpft?
Insbesondere in den 1960er- bis 1980er-Jahren versuchte man die Tollwut vornehmlich durch die Ttung von Fchsen zu bekmpfen. Die Grundidee war damals, Fchse so stark zu dezimieren, dass Begegnungen zwischen ihnen selten werden so selten, dass ein infizierter Fuchs vor seinem Tod im Durchschnitt weniger als einen anderen Fuchs anstecken kann. Berechnungen zufolge war es dafr notwendig, den Fuchsbestand auf nur 0,3 Fchse pro Quadratkilometer zu reduzieren. Bereits 1959 wurden daher Abschussprmien fr Fchse gezahlt. Ab 1964 begann man zustzlich in vielen Bundeslndern, die Bewohner jedes bekannten Fuchsbaus mit dem berchtigten Giftgas Zyklon B zu tten.
Die Kosten fr die Impfkampagnen beliefen sich dabei auf nur auf ein Dreizehntel der Aufwendungen, die zuvor fr die kontraproduktiven Baubegasungen und Ttungsprmien angefallen waren.
Literatur:
Debbie, J. (1991): Rabies control of terrestrial wildlife by population reduction. In: Baer, G.M. (Ed.), The natural History of Rabies. CRC Press, Boca Raton.
Schneider, L.G. (1991): Einfluss der oralen Immunisierung auf die Epidemiologie der Tollwut. Fuchs-Symposium Koblenz. Schriften des Arbeitskreises Wildbiologie an der Justus-Liebig-Univ. Gieen, 20.
3.1.6 Wie kann ich mich vor Tollwut schtzen?
Ein besonderer Schutz ist in Europa nicht erforderlich. Lediglich fr bestimmte Risikogruppen wie Tierrzte, die mit potentiell tollwutkranken Tieren (z.B. im Ausland) zu tun haben, bietet sich eine Schutzimpfung an.